"Ich wollte nicht nur meckern, sondern auch etwas tun"

Lisanne Knop ist eine der fünf neuen Ashoka-Fellows. Wer ist sie und was macht sie genau? Drei Fragen, drei Antworten.
Lisanne Knop

Lisanne, dass eine Ärztin nebenbei ein eigenes Unternehmen aufbaut, ist nicht die Regel. Warum kamst du auf die Idee, Triaphon zu gründen? 

Die Idee entstand in meinem Berufsalltag in einer Kinderklinik. Als Ärztin begegnete ich immer wieder Patient*innen beziehungsweise deren Eltern, die kein Deutsch sprachen und mit denen ich mich nicht verständigen konnte. Vor-Ort-Dolmetscher*innen können für all die vielen kleinen Situationen im Klinikalltag nicht extra gebucht werden. Das kann doch nicht sein, dachte ich damals. Meinem Kollegen Korbinian Fischer erging es ähnlich. Also beschlossen wir, Triaphon zu gründen – eine telefonische Sprachvermittlung für Kliniken. 

Wie hat dein Umfeld reagiert, als du gegründet hast und plötzlich nicht mehr Vollzeit im Krankenhaus gearbeitet hast? 

Ich habe schon immer nebenher an Projekten gearbeitet, Bekannte und Freunde kennen mich nicht anders. Korbinian und ich haben uns beispielsweise über die Arbeit an einem dieser Projekte kennengelernt. Als Triaphon entstand, habe ich meine Stundenzahl in der Klinik immer weiter heruntergestuft, bis ich mich schließlich voll und ganz dem Projekt gewidmet habe. Ich habe damals in der Klinik viele Dinge kritisiert und wollte nicht nur meckern, sondern auch was dagegen tun. Der Berufsalltag im Krankenhaus ist so zeit- und ressourcenaufwendig, dass selbst wenn man die Einstellung hat, das System verändern zu wollen, oft nicht die Kapazitäten dazu hat.  

Die Coronavirus-Pandemie ist gerade eine große Belastung für das Gesundheitssystem. Inwieweit merkt ihr das in eurer Arbeit? 

Wir merken, dass die Zahl der Anrufer*innen zunimmt. Schon zu Beginn der Ausbreitung haben wir über unsere Sprachmittler*innen zurückgemeldet bekommen, dass Corona ein immer größeres Thema wird. Wir haben die Sprachmittler *innen dann mit einem speziellen Glossar und Corona-Übungsanrufen vorbereitet. In diesen Anrufen simulieren und trainieren wir unangekündigt Situationen aus dem Klinikalltag. Besonders in dieser schwierigen Zeit wollen wir Menschen mit Sprachbarrieren unterstützen und haben deswegen die Corona-Soforthilfe ins Leben gerufen. Stark betroffene Organisationen können Triaphon kostenlos nutzen. Aktuellen Informationen zufolge kann man davon ausgehen, dass bis zum Ende der Pandemie eine halbe Million Patient*innen mit Sprachbarriere behandelt werden müssen. Die Vor-Ort-Dolmetscher*innen fallen wegen des Infektionsschutzes zunehmend weg. Das System wird enorm belastet und das soll nicht durch Sprachbarrieren verschärft werden – uns ist wichtig, dass alle Menschen eine Stimme in der medizinischen Versorgung haben. 

 

Zu Triaphon 

Als ärztliches und pflegerisches Personal ruft man eine Nummer an und wählt die gewünschte Sprache aus. Aktuell kann man bei Triaphon zwischen Arabisch, Persisch, Vietnamesisch, Russisch, Rumänisch, Türkisch und Polnisch wählen. Ist die Sprache bestimmt, klingelt das Telefon bei einem/einer der 140 ehrenamtlichen Sprachmittler*innen. Alle angebotenen Sprachen sind rund um die Uhr mit zwei Personen besetzt. Permanent erreichbar zu sein, ist Knop und ihren Kolleg*innen sehr wichtig. Sie kennen den angespannten Klinikalltag und wissen: Wenn einmal jemand nicht rangeht, dann wird nicht unbedingt nochmal angerufen. Ist ein/e Sprachmittler*in dann am Telefon, wird in der Regel über Lautsprecher übersetzt.